Wie man nicht in die Falle von „Customs“ tappt, die später niemand mehr warten will

Wo endet Flexibilität und wo beginnt das Problem?

E-Commerce-Einführungen – insbesondere im B2B-Bereich – erfordern fast immer ein gewisses Maß an Anpassung des Systems an die Geschäftsprozesse. Doch zwischen sinnvoller Flexibilität und einer teuren Falle liegt ein schmaler Grat: das Risiko, mit einer Sonderlösung dazustehen, die später niemand mehr weiterentwickeln oder warten möchte.

Viele Unternehmer entscheiden sich aus den besten Absichten heraus für eigene E-Commerce-Anpassungen: Sie wollen Prozesse optimieren, Kunden den Alltag erleichtern oder Funktionen an Branchenspezifika anpassen. Das Problem beginnt dann, wenn jede Ausnahme zur Regel wird und die Architektur des Shops kaum noch einem Standard entspricht. Und auch wenn auf den ersten Blick alles funktioniert – unter der Oberfläche verbirgt sich ein System, das sich weder leicht aktualisieren, erweitern noch an ein neues Team übergeben lässt.

Warum können „Customs“ zum Problem werden?
Jedes nicht standardisierte Element, das nicht auf offiziellen APIs, Plugins oder dokumentierten Plattformfunktionen basiert, schafft Abhängigkeiten. Abhängigkeiten von einem bestimmten Entwickler, einer bestimmten Agentur oder einer Herangehensweise, die zum Zeitpunkt der Einführung aktuell war – aber den Test der Zeit nicht bestehen könnte.

Das Ergebnis? Systemaktualisierungen werden teuer oder gar unmöglich, Integrationen brechen nach Änderungen im Ökosystem zusammen, und jeder Entwicklungsversuch endet mit „nicht anfassen, sonst fällt alles auseinander“. Das Unternehmen ist im eigenen Code gefangen und gewinnt statt Flexibilität eine kostspielige Wachstumsbremse.

Technische Schulden wachsen schneller, als man denkt
Klein wirkende Modifikationen – ein zusätzliches Feld im Formular, eine geänderte Warenkorb-Logik, ein eigenes Rabattsystem – können sich nach einigen Jahren zu einem kritischen Problem auswachsen. Warum? Weil die meisten Teams Änderungen nicht dokumentieren, keine Regressionstests erstellen und die Personen, die die Lösung implementiert haben, oft schneller wechseln als die verwendeten Technologien.

Wenn ein System nicht nach Best Practices entwickelt wird – also skalierbar, testbar und übertragbar – wird es zur technischen Schuld. Und Schulden müssen zurückgezahlt werden: manchmal in Form von Fehlern, manchmal durch Projektverzögerungen und manchmal durch die Notwendigkeit, alles von Grund auf neu zu entwickeln.

Wie gestaltet man sinnvolle Anpassungen?
Es geht nicht darum, vollständig auf Anpassungen zu verzichten. Viele Unternehmen haben einzigartige Prozesse, die sich nicht „von der Stange“ abbilden lassen. Der Schlüssel liegt darin, Erweiterungen so zu entwerfen, wie man gute Software entwirft: modular, dokumentiert und auf offiziellen Systemfunktionen basierend.

Plattformen wie Shopware bieten umfangreiche APIs, Rule Builder, Flow Builder, Plugins sowie eine klare Trennung von Frontend und Backend. Damit lassen sich Funktionen anpassen, ohne in den Kern des Systems eingreifen zu müssen. So können neue Features eingeführt werden, ohne dass sofort alles „auseinanderfällt“.

Wann sollte man „Nein“ zu einer Kundenidee sagen?
Eine der schwierigsten Situationen für ein Implementierungsunternehmen ist, wenn ein Kunde etwas „Einfaches“ wünscht – was sich in der Praxis als kaum wartbar herausstellt. Die Rolle eines guten Implementierungspartners besteht nicht darin, jeden Wunsch zu erfüllen, sondern darin zu beraten, wann vermeintliche Bequemlichkeit heute Kosten morgen bedeutet.

Bei CREHLER mussten wir bereits viele Projekte retten, die durch „Customs ohne Plan“ in Schieflage geraten waren. Deshalb gilt für uns heute das Prinzip: Alles, was wir entwickeln, muss leicht erweiterbar, testbar und übergabefähig sein. Auch wenn das bedeutet, kurzfristig auf ein scheinbares „Upgrade“ zu verzichten.

CREHLER – ein vernünftiger Ansatz zur Customization
Bei CREHLER scheuen wir Anpassungen nicht – aber wir stellen uns (und dem Kunden) immer die Fragen: Wer wird das in zwei Jahren warten? Funktioniert es nach einem Update noch? Wird das nächste Team es verstehen?

Wir implementieren B2B-E-Commerce auf Basis von Shopware, das enorme Anpassungsmöglichkeiten bietet – jedoch nicht auf Kosten von Skalierbarkeit und Stabilität. Wir setzen auf Best Practices in der Entwicklung, testen Lösungen vor der Einführung und achten auf die Architektur und Dokumentation des Systems.

Wenn Sie möchten, dass Ihre Plattform an Ihr Geschäft angepasst ist, ohne Ihnen den Weg für künftiges Wachstum zu versperren – sprechen Sie uns an. Wir zeigen Ihnen, wie man Lösungen entwirft, die nicht nur heutigen Anforderungen, sondern auch zukünftigen Veränderungen standhalten.

CREHLER
02-10-2025